Prüfen Sie beim Kauf von Winterreifen zuerst die freigegebene Reifengröße sowie Last- und Geschwindigkeitsindex. Vergleichen Sie anschließend unabhängige Tests derselben Reifengröße. Das Alpine-Symbol erfüllt die gesetzliche Voraussetzung für winterliche Straßenverhältnisse, sagt aber wenig über die Bremsleistung auf nasser oder trockener Fahrbahn aus.
Reifengröße und Freigabe prüfen
Die passende Reifengröße sowie die vorgeschriebenen Last- und Geschwindigkeitsindizes finden Sie in der Zulassungsbescheinigung Teil I. Weitere freigegebene Größen stehen häufig im CoC-Dokument, der EG-Übereinstimmungsbescheinigung des Fahrzeugs. Prüfen Sie beide Unterlagen, bevor Sie Preise vergleichen: Ein Reifen, der auf das Auto passt, ist nicht automatisch für dieses Modell zugelassen.
Der Lastindex gibt an, welche Last ein Reifen tragen darf. Der Geschwindigkeitsindex bezeichnet seine zulässige Höchstgeschwindigkeit. Für Winterreifen kann unter bestimmten Voraussetzungen ein niedrigerer Geschwindigkeitsindex zulässig sein. Dann muss die erlaubte Höchstgeschwindigkeit im Auto sichtbar angegeben sein, etwa durch einen Aufkleber oder eine Anzeige, und Sie dürfen sie nicht überschreiten. Maßgeblich sind die Fahrzeugvorgaben und § 36 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung.
Alpine-Symbol und Winterpflicht
In Deutschland gilt eine situative Winterreifenpflicht. Bei Glatteis und Schneeglätte müssen an allen vier Rädern geeignete Reifen montiert sein. Das gilt auch bei Schneematsch sowie Eis- oder Reifglätte. Seit dem 1. Oktober 2024 reicht eine reine M+S-Kennzeichnung nicht mehr aus. Erforderlich ist das Alpine-Symbol: ein Bergpiktogramm mit Schneeflocke.
Das Symbol kennzeichnet Reifen, die festgelegte Mindestanforderungen für den Einsatz auf Schnee erfüllen. Es ist kein Gesamturteil über die Reifenqualität. Im ADAC-Test 2025 trugen alle geprüften Reifen das Alpine-Symbol, trotzdem wurden 11 von 31 als mangelhaft bewertet. Prüfen Sie deshalb auch, wie die Reifen bei Nässe, Eis und auf trockener Fahrbahn abschneiden.
Tests in der passenden Größe lesen
Ein Reifentest ist vor allem für die geprüfte Größe aussagekräftig. Im ADAC-Winterreifentest 2026 für die Reifengröße 225/50 R17 erhielten vier von 16 Reifen die Note „gut“, sechs wurden als mangelhaft bewertet. Beim Bremsen auf nasser Fahrbahn lagen zwischen dem besten und dem schlechtesten Reifen mehr als zehn Meter. Diese Ergebnisse gelten für die getestete Größe und die Bedingungen des Tests, nicht für alle Reifen eines Herstellers.
Im selben Test lagen der Pirelli Cinturato Winter 3, der Continental WinterContact TS 870, der Goodyear UltraGrip Performance 3 und der Michelin Alpin 7 vorn. Das ist eine Orientierung, wenn Ihr Auto die Größe 225/50 R17 verwenden darf. Für eine andere Größe suchen Sie nach einem passenden Test, statt den Testsieger ungeprüft zu übernehmen. Unterschiede bei Breite und Querschnitt können die Vergleichbarkeit einschränken. Das gilt auch für Felgendurchmesser und Geschwindigkeitsindex.
Entscheidend ist, wie der Reifen insgesamt abschneidet. Ein Reifen, der besonders gut auf Schnee abschneidet, ist nicht automatisch die beste Wahl für deutsche Winter mit viel Nässe und trockener Fahrbahn. Auch das EU-Reifenlabel ist nur eine Ergänzung: Es informiert unter anderem über Rollwiderstand, Nasshaftung und Außengeräusch. Es zeigt aber nicht, wie Reifen in allen Situationen abschneiden, die ein unabhängiger Test prüft.
Vier Reifen einplanen
Der ADAC empfiehlt vier Reifen desselben Modells und Typs. Wenn Sie nur zwei Reifen ersetzen, sollten die besseren Reifen auf die Hinterachse, damit das Fahrzeug bei einem Ausweichmanöver oder auf nasser Straße stabiler bleibt. Bei Allradfahrzeugen machen Hersteller teils besondere Vorgaben zum Abrollumfang, also dazu, wie weit ein Reifen pro Umdrehung abrollt. Prüfen Sie deshalb die Betriebsanleitung, bevor Sie Reifen mit unterschiedlicher Profiltiefe oder verschiedene Modelle kombinieren.
Profil und Alter prüfen
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Pkw-Reifen beträgt 1,6 Millimeter. Der ADAC empfiehlt für Winterreifen mindestens 4 Millimeter, weil die Reserven auf Schnee, Schneematsch und nasser Straße schon vorher nachlassen. Die 4 Millimeter sind eine Sicherheitsempfehlung, keine gesetzliche Mindestgrenze.
Das Herstellungsdatum steht als DOT-Kennzeichnung auf der Reifenflanke; die letzten Ziffern geben Produktionswoche und -jahr an. Für Reifen gibt es keine gesetzliche Altersgrenze, die sie allein wegen ihres Alters automatisch unzulässig macht. Gummi altert jedoch und kann an Wintereigenschaften verlieren. Der ADAC nennt unterschiedliche Richtwerte dafür, wann Reifen ersetzt werden sollten und wie lange sie gelagert werden können. Eine einheitliche gesetzliche Austauschfrist gibt es nicht. Prüfen Sie das Alter und wählen Sie beim Neukauf möglichst junge Ware.
Winter- oder Ganzjahresreifen?
Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol erfüllen die Vorgabe für Reifen bei winterlichen Straßenverhältnissen. Sie sind ein Kompromiss für Fahrer, die bei starkem Winterwetter wenig unterwegs sind oder Fahrten dann verschieben können. Wer regelmäßig auf Schnee und Eis fährt oder auf sein Auto angewiesen ist, profitiert eher von einem Winterreifen, der in unabhängigen Tests auch bei den Bedingungen des eigenen Fahrprofils gut abschneidet.
Die verbreitete Faustregel „O bis O“ steht für Winterreifen von Oktober bis Ostern. Sie ersetzt die situative Pflicht nicht: Entscheidend sind die Straßenverhältnisse, nicht ein festes Kalenderdatum. Auch die oft genannte 7-Grad-Marke ist eine grobe Orientierung und kein gesetzlicher Grenzwert.
Quellen und weitere Informationen
- Winterreifen 225/50 R17 im ADAC Test 2026: Nur 4 von 16 gut
- Reifenkauf: Worauf muss man achten?
- § 36 StVZO - Einzelnorm
- Winterreifenpflicht in Deutschland: Ab wann gilt sie?
- Winterreifen 225/40 R18 im ADAC Test 2025: Vorsicht bei Billigreifen!
- EU-Reifenlabel: Das müssen Sie beim Reifenkauf wissen
- Wie alt darf ein Neureifen sein? Tipps zum Reifenkauf
- Allwetterreifen im Winter: Wann sind sie erlaubt und wie gut sind sie?
- Dunlop Winter im Test | ADAC
- ADAC Winterreifentest 2026
- Mindestprofiltiefe bei Reifen: So misst man richtig!
- Regulation - 2020/740 - EN - EUR-Lex
Angaben können je nach Modell und Baujahr abweichen. Beachten Sie die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs. Eine Beschreibung im Internet ersetzt keine Diagnose am Auto.



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