Beim Gebrauchtwagenkauf fallen manche Sicherheitsmängel schon im Stand oder bei einer vorsichtigen Probefahrt auf: beschädigte Reifen, ungleichmäßiger Abrieb, anhaltende Bremsgeräusche oder starkes Nachwippen nach einer Bodenwelle. Diese Anzeichen erfordern eine genauere Prüfung, zeigen aber nicht, welches Teil defekt ist.

Prüfen Sie Reifen, Bremsen und Fahrwerk selbst und lassen Sie Auffälligkeiten vor dem Kauf von einem Fachbetrieb untersuchen. Ohne Hebebühne lassen sich verdeckte Schäden nicht zuverlässig erkennen.

Reifenprofil richtig einordnen

Für Pkw beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe in Deutschland 1,6 Millimeter. Der ADAC empfiehlt, Sommerreifen bereits bei 3 Millimetern und Winter- sowie Ganzjahresreifen bei 4 Millimetern zu wechseln. Seine Gebrauchtwagen-Checkliste nennt weniger als 2,5 Millimeter als Warnhinweis beim Kauf. Dieser Wert dient Ihrer Prüfung und ist keine gesetzliche Grenze.

Messen Sie das Profil an mehreren Stellen jedes Reifens, am besten mit einem Profiltiefenmesser. Ein einzelner Messwert reicht nicht, weil sich Reifen ungleichmäßig abnutzen können. Die Verschleißstege in den Profilrillen helfen bei der Orientierung: Liegt ein Steg bündig mit der Lauffläche, ist die gesetzliche Grenze erreicht. Eine Münze liefert höchstens eine grobe Einschätzung.

Wenig Profil macht sich besonders auf nasser oder verschneiter Fahrbahn bemerkbar. In einem ADAC-Test mit einem bestimmten Winterreifen war der Bremsweg auf Schnee bei 4 Millimetern Profil aus 30 km/h um 3,2 Meter länger als mit einem neuen Reifen. Der Wert gilt für die getestete Reifengröße und die Bedingungen im Test. Er sagt nicht voraus, wie lang der Bremsweg bei jedem Fahrzeug ist. Es zeigt aber, warum die gesetzliche Mindestgrenze nicht mit einer Sicherheitsempfehlung gleichzusetzen ist.

Schäden und Abrieb erkennen

Gehen Sie um das Auto und prüfen Sie alle vier Reifen, auch die sichtbaren Seitenwände. Achten Sie auf Beulen, tiefe Risse, eingefahrene Fremdkörper und beschädigte Felgenränder. Eine Beule oder ein tiefer Riss an der Reifenseite ist ein ernstes Warnsignal. Lassen Sie den Reifen vor dem Kauf von einem Fachbetrieb beurteilen. Fahren Sie bei einem erkennbar gefährlichen Schaden nicht weiter.

Vergleichen Sie auch den Abrieb über die ganze Reifenbreite. Ist der innere oder äußere Rand der Lauffläche deutlich stärker abgefahren, kann das auf eine falsche Ausrichtung der Räder hindeuten. Mulden im Reifenprofil, auch Auswaschungen genannt, und anderer ungleichmäßiger Verschleiß können mit den Stoßdämpfern zusammenhängen. Das Reifenbild allein zeigt nicht, was die Ursache ist. Ein Fachbetrieb muss prüfen, ob die Reifen, das Fahrwerk oder beides betroffen sind.

Bremsen bei der Probefahrt prüfen

Achten Sie bei einer vorsichtigen Probefahrt auf Schleifgeräusche. Prüfen Sie auch, ob wiederkehrende Vibrationen im Lenkrad oder Bremspedal auftreten und ob das Auto beim Bremsen zur Seite zieht. Treten diese Anzeichen auf oder bleiben Geräusche nach mehrmaligem Bremsen bestehen, sollten Sie den Wagen vor dem Kauf prüfen lassen. Eine riskante Vollbremsung ist dafür nicht nötig.

Ein dünner Rostfilm auf den Bremsscheiben entsteht nach Nässe oder längerer Standzeit und verschwindet beim Fahren häufig wieder. Bleiben größere Roststellen oder matte Bereiche bestehen, kann das auf Schäden durch lange Standzeit hinweisen. Wichtig ist, wie groß die Stellen sind und ob sie bleiben.

Wenn Sie durch die Felgen etwas erkennen können, achten Sie auf Riefen, Rost und Feuchtigkeitsspuren an den Bremsscheiben. Eine solche Sichtprüfung zeigt den Zustand der Bremsbeläge und der Bremsmechanik jedoch nicht vollständig. Neue Scheiben oder Beläge schließen außerdem nicht aus, dass beispielsweise ein Bremssattel schwergängig ist. Lassen Sie den Bremsenzustand daher nicht allein anhand eines flüchtigen Blicks beurteilen.

Beim Verzögern können Elektroautos Bewegungsenergie zurückgewinnen und dadurch die mechanischen Bremsen weniger nutzen. Bei manchen Fahrzeugen korrodieren die Bremsscheiben dadurch stärker. Prüfen Sie sichtbare Roststellen sorgfältig und lassen Sie anhaltende Geräusche oder andere Auffälligkeiten von einem Fachbetrieb untersuchen.

Federung und Fahrwerk beobachten

Nach einer Bodenwelle sollte die Karosserie nicht auffällig lange nachschwingen. Achten Sie außerdem auf starkes Eintauchen der Front beim Bremsen, ein schwammiges Fahrgefühl und Klappern auf schlechten Straßen. Diese Auffälligkeiten können auf verschlissene Stoßdämpfer oder andere Fahrwerksprobleme hindeuten, legen die Ursache aber nicht eindeutig fest.

Achten Sie auf Ölspuren an den Stoßdämpfern und auf beschädigte oder gebrochen wirkende Federn. Prüfen Sie auch, ob die Felgenränder verformt sind. Ein harter Aufprall auf einen Bordstein oder in ein Schlagloch kann neben der Felge auch Teile der Radaufhängung oder Lenkung beschädigen. Prüfen Sie unter dem Auto auf Rost und Schäden an tragenden Teilen. Ohne Hebebühne ist dieser Bereich jedoch nur eingeschränkt einsehbar.

Wann eine Werkstatt prüfen sollte

Lassen Sie den Wagen vor dem Kauf von einem Fachbetrieb, einem Prüfzentrum oder einem Sachverständigen untersuchen, wenn ein Reifen beschädigt ist, der Abrieb stark variiert, die Bremsen Geräusche oder Vibrationen verursachen oder das Fahrwerk klappert und nachschwingt. Gleiches gilt bei Ölspuren an Stoßdämpfern, beschädigten Federn, verformten Felgen und sichtbarem Rost an tragenden Teilen.

Bitten Sie um passende Prüfungen. Dazu gehören je nach Auffälligkeit ein Bremsen- oder Stoßdämpfertest und eine Untersuchung des Fahrwerks. Fragen Sie nach einem schriftlichen Ergebnis und danach, welche Reparaturen nötig sind. Lehnt der Verkäufer eine fachliche Prüfung trotz deutlicher Warnzeichen ab, stellen Sie den Kauf zurück.

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