Gehen Sie bei Tageslicht und möglichst trocken um den Gebrauchtwagen herum. Achten Sie auf sichtbare Schäden und Reparaturspuren; Farbunterschiede, Rostblasen und ungleichmäßige Spaltmaße fallen dann leichter auf.
Auch bei einem unauffälligen Rundgang können verdeckte Schäden vorliegen. Eine einzelne Auffälligkeit beweist keinen Unfall. Wichtig ist, ob mehrere Hinweise zusammenpassen und der Verkäufer frühere Schäden verständlich erklären und mit Unterlagen belegen kann.
Lack aus mehreren Blickwinkeln prüfen
Gehen Sie einmal um das Auto und vergleichen Sie den Farbton und Glanz benachbarter Karosserieteile. Betrachten Sie Türen, Kotflügel, Motorhaube und Heckklappe auch von der Seite. In den Spiegelungen erkennen Sie Dellen und unebene Stellen oft besser als von vorn.
Achten Sie auf Kratzer, Schrammen, Steinschläge, matte Flächen und auffällige Farbunterschiede. Kontrollieren Sie außerdem Dichtungen und angrenzende Kunststoffteile auf Lackspritzer oder feinen Sprühnebel. Solche Spuren können auf eine Nachlackierung hindeuten. Sie sagen allein jedoch nichts Sicheres über Anlass, Umfang oder Qualität der Reparatur aus.
Fragen Sie bei auffälligen Stellen, was repariert wurde, und lassen Sie sich vorhandene Unterlagen zeigen. Waschen oder Aufbereiten allein begründet keinen Verdacht. Schmutz und Nässe erschweren die Sichtprüfung. Auch nachträglicher Unterbodenschutz schränkt den Blick ein.
Spaltmaße vergleichen
Spaltmaße sind die Abstände zwischen benachbarten Karosserieteilen, zum Beispiel zwischen Tür und Kotflügel. Vergleichen Sie die Fugen auf beiden Fahrzeugseiten. Sie sollten gleichmäßig verlaufen und links und rechts ähnlich breit sein. Prüfen Sie auch, ob Türen, Motorhaube und Heckklappe sauber schließen.
Eine schiefe oder wechselnd breite Fuge kann auf eine frühere Reparatur oder einen Unfallschaden hinweisen. Sie kann aber auch andere Ursachen haben und ist allein keine Diagnose. Wird sie von Farbunterschieden, Wellen oder Lackspritzern begleitet, sollten Sie genauer nachfragen und die Hinweise gemeinsam bewerten.
Rost an Kanten und Unterseiten suchen
Rost zeigt sich nicht nur auf großen Flächen. Prüfen Sie besonders Falze und Kanten, etwa an den Unterseiten von Türen und Heckklappe, an den Radläufen und an den Übergängen zu den Kotflügeln. Sehen Sie auch in die sichtbaren Bereiche der Radhäuser und, soweit zugänglich, unter das Auto.
Rostpickel, Rostblasen und aufgequollener Lack sind Warnzeichen. Bei der Sichtprüfung lässt sich jedoch nicht zuverlässig erkennen, wie tief der Rost reicht oder ob tragende Bereiche betroffen sind. Ein frisch oder ungleichmäßig aufgetragener Unterbodenschutz kann zudem Stellen verdecken, die Sie sonst sehen würden.
Ohne Hebebühne bleibt der Blick auf den Unterboden eingeschränkt. Bei Rostverdacht oder auffälligem Unterbodenschutz sollte eine Fachperson das Auto von unten prüfen, bevor Sie sich zum Kauf entscheiden.
Stoßfänger und Übergänge ansehen
Kontrollieren Sie vordere und hintere Stoßfänger auf Kratzer und Risse. Prüfen Sie auch, ob sie verformt sind oder Farbabweichungen zeigen. Achten Sie darauf, ob die Übergänge zu Kotflügeln und anderen angrenzenden Teilen gleichmäßig wirken. Lackspritzer an Kunststoffteilen oder auffällige Fugen sind ein Anlass für Rückfragen, aber kein Beweis für einen Unfall.
Von außen lässt sich nicht zuverlässig beurteilen, ob hinter dem Stoßfänger Teile beschädigt oder Halterungen gebrochen sind. Wenn der Stoßfänger deutlich verformt ist oder nicht sauber sitzt, lassen Sie den Bereich fachkundig prüfen.
Scheiben und Leuchten kontrollieren
Prüfen Sie die Windschutzscheibe auf Steinschläge, Kratzer und Risse. Achten Sie besonders auf Schäden im Sichtbereich vor dem Fahrer. Der ADAC beschreibt ihn vereinfacht als einen etwa 30 Zentimeter breiten Streifen im Wischerfeld über dem Lenkrad. Schäden dort können für die Hauptuntersuchung relevant sein. Auch eine beeinträchtigte Sicht auf die Außenspiegel ist ein Grund, den Schaden fachlich beurteilen zu lassen.
Sehen Sie sich auch die übrigen Scheiben an und achten Sie auf Risse und Beschädigungen. Bei der Außenprüfung lässt sich nicht sicher feststellen, ob ein Glasschaden repariert werden muss.
Kontrollieren Sie Scheinwerfer und Rückleuchten auf Risse oder Sprünge. Achten Sie auch auf Steinschläge und Feuchtigkeit. Bei gleichmäßigem Licht erkennen Sie trübe oder blind wirkende Abdeckungen besser. Schalten Sie die Beleuchtung ein und prüfen Sie, ob die Leuchten funktionieren. Eine zweite Person kann dabei von außen kontrollieren; alternativ hilft eine Wand als Fläche, auf die das Licht fällt.
Unfallhinweise zusammen bewerten
Ein einzelner Farbunterschied oder Kratzer reicht als Beleg für einen Unfallschaden nicht aus. Aussagekräftiger wird der Verdacht, wenn mehrere Hinweise an derselben Fahrzeugseite zusammentreffen, etwa eine abweichende Lackfarbe, wellige Flächen und ungleichmäßige Spaltmaße. Auch auffällige Übergänge an Stoßfängern und Lackspritzer auf Dichtungen gehören in die Gesamtbewertung.
Fragen Sie den Verkäufer ausdrücklich nach früheren Unfallschäden. Halten Sie bekannte Vorschäden und die dazu gemachten Angaben schriftlich fest. Wenn die Erklärung nicht zu den sichtbaren Spuren passt oder Unterlagen fehlen, lassen Sie das Fahrzeug vor dem Kauf unabhängig prüfen. Bei der Sichtprüfung erkennen Sie Hinweise auf Schäden. Wie umfangreich und gut eine Reparatur war, lässt sich so nicht sicher feststellen.