Mit einer Checkliste prüfen Sie beim Gebrauchtwagenkauf Zustand, Unterlagen, Probefahrt und Preis nach festen Punkten, statt sich allein auf den ersten Eindruck zu verlassen. So übersehen Sie seltener Warnzeichen. Sie ersetzt keine technische Untersuchung und bietet keine Gewähr für ein mängelfreies Auto.

Zustand bei Tageslicht prüfen

Besichtigen Sie das Auto möglichst bei Tageslicht und trockenem Wetter. Nehmen Sie sich Zeit und bitten Sie, wenn möglich, eine zweite Person um Unterstützung. Farbunterschiede im Lack, ungleichmäßige Spaltmaße, Rost oder Dellen sind Gründe für Rückfragen. Sie beweisen allein keinen Unfallschaden. Fragen Sie deshalb ausdrücklich nach Unfällen und Reparaturen.

Prüfen Sie auch Reifen und Felgen auf Beschädigungen und ungleichmäßigen Verschleiß. Weniger als 2,5 Millimeter Reifenprofil gelten in der ADAC-Checkliste als Hinweis auf absehbare Kosten. Das ist keine gesetzliche Mindestanforderung. Achten Sie außerdem auf sichtbare Schäden an den Bremsscheiben. Flüssigkeitsspuren im Motorraum und ungewöhnliche Geräusche gehören ebenfalls auf Ihre Liste. Ohne Hebebühne lässt sich der Unterboden nur eingeschränkt beurteilen.

Im Innenraum können feuchte Teppiche oder muffiger Geruch auf Undichtigkeiten hindeuten. Vergleichen Sie außerdem die Abnutzung von Sitzen, Lenkrad und Bedienelementen mit dem angegebenen Kilometerstand. Passen Abnutzung und Kilometerstand nicht zusammen, prüfen Sie die Fahrzeughistorie genauer; das beweist jedoch keine Tachomanipulation. Bei Unfallverdacht, Flüssigkeitsverlust oder auffälligen Geräuschen sollte eine Werkstatt oder ein unabhängiger Sachverständiger das Auto prüfen.

Bei einem Elektroauto prüfen Sie zusätzlich die Unterlagen zur Batterie und die Batteriegarantie. Klären Sie auch, ob die Batterie gekauft oder gemietet ist. Berühren Sie keine Hochvoltkabel. Eine längere Probefahrt hilft, die Reichweite unter Ihrem Fahrstil grob einzuschätzen, ersetzt aber keinen professionellen Bericht zum Zustand der Batterie.

Unterlagen und Verkäufer abgleichen

Lassen Sie sich die Zulassungsbescheinigungen Teil I und Teil II im Original zeigen. Die Fahrzeug-Identifizierungsnummer, kurz FIN, muss am Auto und in den Papieren übereinstimmen. Fehlen die Originale oder weichen Angaben voneinander ab, sollten Sie den Kauf erst abschließen, wenn die Abweichung geklärt ist.

Vergleichen Sie das Serviceheft mit den Werkstattrechnungen und den Berichten zur Hauptuntersuchung. Prüfen Sie, ob Kilometerstände und Wartungsdaten über die Jahre zusammenpassen. Bei einem digitalen Serviceheft lassen Sie sich die bisherigen Wartungseinträge zeigen und fordern Sie, wenn möglich, Belege dazu an. Lücken in den Unterlagen beweisen keinen Mangel, sind aber ein Grund für Nachfragen. Halten Sie im Kaufvertrag die gesamte Laufleistung des Autos fest, nicht nur den Tachostand.

Verkauft jemand, der nicht als Halter in den Papieren steht, fragen Sie nach einer Vollmacht und klären Sie, ob die Person tatsächlich zum Verkauf berechtigt ist. Lassen Sie Zusagen zur Unfallfreiheit und noch auszuführenden Reparaturen schriftlich in den Vertrag aufnehmen. Mündliche Aussagen sind später schwerer nachzuweisen.

Probefahrt vor der Unterschrift

Fahren Sie das Auto, bevor Sie den Kaufvertrag unterschreiben. Klären Sie vorher, ob die Probefahrt versichert ist und wer im Schadensfall haftet. Eine kurze Runde um den Block reicht nicht immer: Wählen Sie eine sichere, legale Strecke, auf der Sie auch bei unterschiedlichem Tempo fahren können.

Achten Sie darauf, ob Motor und Getriebe ungewöhnliche Geräusche machen, sich die Lenkung normal bedienen lässt und das Auto beim Bremsen in der Spur bleibt. Prüfen Sie, ob es auf ebener Straße geradeaus fährt und ob bei Unebenheiten, in Kurven oder beim Bremsen Vibrationen, Schleifgeräusche oder auffällige Stöße auftreten. Kontrollieren Sie nach der Fahrt, ob Warnanzeigen leuchten oder Flüssigkeit austritt. Bei Auffälligkeiten lassen Sie die Ursache fachkundig prüfen, statt die Reparaturkosten selbst zu schätzen.

Preis mit vergleichbaren Autos prüfen

Vergleichen Sie das Angebot mit Fahrzeugen ähnlicher Ausführung und Ausstattung sowie vergleichbarer Erstzulassung und Laufleistung. Berücksichtigen Sie auch den Zustand und die Unfallgeschichte. Prüfen Sie außerdem, wie lange es noch bis zur nächsten Hauptuntersuchung dauert. Online-Angebote und Preisübersichten von ADAC oder DAT geben eine Orientierung. Sie bewerten aber nicht automatisch den Zustand des einzelnen Autos und ersetzen keine Besichtigung.

Rechnen Sie absehbare Kosten mit ein. Sind Reifen oder Bremsen bald fällig, steht eine Wartung aus oder muss ein festgestellter Schaden behoben werden, lassen Sie die Kosten möglichst von einer Werkstatt einschätzen. So vergleichen Sie nicht nur den Angebotspreis mit anderen Anzeigen, sondern auch die Gesamtkosten. Ein Preis deutlich unter vergleichbaren Angeboten ist ein Anlass, besonders genau nachzufragen. Er beweist für sich genommen weder ein Schnäppchen noch einen Betrug.

Vor dem Kauf abhaken

Gehen Sie die wichtigsten Punkte noch einmal durch, bevor Sie sich entscheiden:

  • Zustand: Karosserie, Reifen, Bremsen, Innenraum und sichtbare Flüssigkeitsspuren geprüft?
  • Unterlagen: Originalpapiere, FIN, Wartungshistorie, Hauptuntersuchungsberichte und Kilometerstände abgeglichen?
  • Verkäufer: Identität und Verkaufsberechtigung geklärt?
  • Probefahrt: Versicherung und Haftung geklärt, auf ungewöhnliche Geräusche und Fahrverhalten geachtet?
  • Preis: Mit vergleichbaren Fahrzeugen abgeglichen und absehbare Reparaturen berücksichtigt?
  • Vertrag: Unfallangaben, Gesamtfahrleistung und zugesagte Reparaturen schriftlich festgehalten?

Beim Kauf von einem Händler gelten andere Regeln zur Sachmängelhaftung als beim Privatkauf. Händler können die Haftungsfrist für Gebrauchtware unter bestimmten Voraussetzungen auf ein Jahr verkürzen. Privatverkäufer können die Sachmängelhaftung weitgehend ausschließen. Für arglistig verschwiegene Mängel gelten Ausnahmen. Prüfen Sie deshalb den Vertrag sorgfältig, wenn Sie bei einer Klausel unsicher sind.

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