Kurze Antwort

Wie schnell Ihr Elektroauto an einer Schnellladesäule lädt, hängt davon ab, wie voll und warm die Batterie ist und welche maximale Ladeleistung das Auto aufnehmen kann. Die Säule kann ihre Leistung außerdem auf mehrere Autos verteilen oder vorübergehend begrenzen.

Die kW-Angabe an der Säule zeigt ihre mögliche Höchstleistung. Ihr Auto erhält diese Leistung aber nicht unbedingt während des ganzen Ladestopps. Achten Sie auf die Ladeleistung im Auto, den Ladestand und Hinweise an der Säule, um die Ursache einzugrenzen.

Der Ladestand senkt die Ladeleistung

Viele Elektroautos laden bei niedrigem Ladestand am schnellsten. Je voller die Batterie wird, desto stärker senkt die Batteriesteuerung die Ladeleistung, um die Zellen zu schützen. Bei vielen Modellen fällt sie im oberen Ladebereich deutlich ab, häufig etwa ab 80 Prozent. Wann genau das passiert, hängt vom Fahrzeug ab.

Deshalb dauert das Laden von 80 auf 100 Prozent oft länger als erwartet. Auf einer Langstreckenfahrt sparen Sie meist Zeit, wenn Sie mit niedrigem Ladestand an die Schnellladesäule fahren und nur so weit laden, wie Sie für die nächste Etappe brauchen. Dafür kann ein Ladestart bei etwa 10 bis 30 Prozent günstig sein. Diese Faustregel gilt für kurze Schnellladestopps. Im Alltag sollten Sie mit dem Nachladen nicht warten, bis die Batterie fast leer ist.

Kälte und Hitze senken die Ladeleistung

Eine kalte Batterie nimmt Strom langsamer auf. Auch bei hoher Batterietemperatur begrenzt das Auto die Ladeleistung, wenn es die entstehende Wärme nicht schnell genug abführen kann. Der ADAC nennt etwa 20 bis 40 °C als typischen Temperaturbereich für eine günstige Ladekurve; bei einzelnen Fahrzeugen liegt der geeignete Bereich höher.

Wie groß der Unterschied ausfallen kann, zeigt ein ADAC-Wintervergleich: Ein VW ID.3 lud bei minus 7 °C mit weniger als 50 kW, während er bei 23 °C zeitweise 125 kW erreichte. Bei einem nicht vorgewärmten Tesla Model Y dauerte der untersuchte Ladevorgang 56 statt 33 Minuten. Das sind Ergebnisse für die getesteten Fahrzeuge und Bedingungen, keine allgemeine Prognose für jedes Elektroauto.

Viele Fahrzeuge wärmen die Batterie vor einem Schnellladestopp vor. Diese Vorwärmung heißt Vorkonditionierung. Bei manchen Modellen startet sie, wenn Sie die Säule als Ziel in der eingebauten Navigation auswählen. Prüfen Sie in der Bedienungsanleitung, wie Sie die Funktion bei Ihrem Auto aktivieren. Eine Navigation auf dem Smartphone startet sie nicht bei jedem Fahrzeug.

Fahrzeug und Säule begrenzen die Ladeleistung

Die tatsächliche Ladeleistung hängt auch davon ab, wie viel Leistung Ihr Auto höchstens aufnehmen kann. Eine Säule mit 350 kW lädt ein Auto mit einer niedrigeren Ladegrenze nicht schneller als diese Grenze. Wichtig ist auch, wie lange das Auto mit hoher Leistung lädt, nicht nur, welchen Spitzenwert es kurz erreicht. Der Verlauf der Ladeleistung während des Stopps heißt Ladekurve.

Eine Säule kann ihre Leistung auch auf mehrere angeschlossene Fahrzeuge verteilen. Wie stark sich das auf die einzelnen Ladepunkte auswirkt, hängt vom Aufbau der Station ab. Die Leistung halbiert sich dabei nicht automatisch. Achten Sie auf Hinweise am Ladepunkt oder in der Anzeige des Betreibers, etwa zu geteilter oder vorübergehend reduzierter Leistung. An einem freien Ladepunkt können Sie vergleichen, ob Ihr Auto dort schneller lädt.

Fehler an Auto oder Ladesäule erkennen

Eine unerwartet niedrige Leistung kann auf eine Störung hinweisen. Dahinter kann eine Störung an der Säule stecken. Vielleicht sitzt der Stecker nicht richtig im Ladeanschluss, oder es gibt Probleme beim Starten des Ladevorgangs. Prüfen Sie, ob der Stecker richtig sitzt und ob das Auto oder die Säule eine Fehlermeldung zeigt. Fassen Sie beschädigte Kabel oder Stecker nicht selbst an.

Die Leistung in kW zeigt, wie schnell das Auto gerade lädt. Die Energiemenge in kWh zeigt, wie viel Strom während des Ladevorgangs insgesamt in die Batterie geflossen ist. Manche Fahrzeuge senden nicht alle Messwerte an die Säule. Ein einzelner niedriger Wert auf der Anzeige beweist deshalb noch keinen Defekt.

Auch Alter und Nutzung können eine Rolle spielen. Tesla weist für das Model Y der Ausgabe 2020–2024 darauf hin, dass die Spitzenladeleistung nach vielen Schnellladungen leicht sinken kann. Das gilt nicht automatisch für andere Elektroautos. Wenn Ihr Fahrzeug wiederholt deutlich langsamer lädt als unter vergleichbaren Bedingungen, also bei ähnlichem Ladestand und ähnlicher Temperatur an einer vergleichbaren Säule, lassen Sie den Akku und das Ladesystem vom Herstellerbetrieb prüfen.

Ursache für langsames Laden finden

Vergleichen Sie beim nächsten Ladestopp die angezeigte Leistung mit diesen Punkten:

  1. Ladestand: Bei einer vollen Batterie sinkt die Leistung oft im normalen Verlauf der Ladekurve.
  2. Temperatur: Ein kalter oder heißer Akku kann die Leistung begrenzen. Prüfen Sie, ob Ihr Modell die Batterie vorwärmt und wie Sie diese Funktion aktivieren.
  3. Fahrzeuggrenze: Sehen Sie nach, welche maximale Ladeleistung Ihr Auto aufnehmen kann, und vergleichen Sie sie mit der Angabe an der Säule.
  4. Ladepunkt: Achten Sie auf Hinweise zu geteilter oder reduzierter Leistung. An einem anderen Ladepunkt können Sie vergleichen, ob das Auto schneller lädt.
  5. Wiederholte Auffälligkeiten: Bleibt die Leistung bei vergleichbaren Bedingungen wiederholt niedrig oder bricht der Ladevorgang ab, wenden Sie sich an den Betreiber oder eine Fachwerkstatt.
Quellen und weitere Informationen
Laden & Reichweite →
Hinweis zum Fahrzeug

Angaben können je nach Modell und Baujahr abweichen. Beachten Sie die Betriebsanleitung Ihres Fahrzeugs. Eine Beschreibung im Internet ersetzt keine Diagnose am Auto.